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Quelle: Stuttgarter Zeitung, 19.10.2001

WALLDORF (rtr). Vor dem Hintergrund der sich eintrübenden
Konjunktur nach den Anschlägen in New York hat auch der
Softwarekonzern SAP seine Prognose für 2001 gesenkt. Weder
beim Umsatz noch beim Gewinn seien die Ziele erreichbar.

Der Konzern teilte in Walldorf mit, nunmehr werde für
dieses Jahr ein Umsatzwachstum von 15 Prozent erwartet, die
operative Rendite werde etwa auf dem Vorjahresniveau von 20 Prozent
bleiben. Bislang hatte SAP ein Umsatzwachstum um mehr als ein
Fünftel und ein Renditeplus von einem bis zwei Prozentpunkten
erwartet. Im dritten Quartal ging der Reingewinn des Konzerns
zurück und fiel damit schwächer aus als von Analysten
erwartet. SAP kündigte weitere Maßnahmen zur
Kostensenkung an.

SAP begründete die geänderte Prognose damit, dass
Kunden den Softwarekauf derzeit aufschöben. „Der
Softwaremarkt, besonders in den USA, hat sich in der jüngsten
Vergangenheit deutlich verändert“, teilte Vorstandssprecher
Hasso Plattner mit. SAP kündigte als Folge weitere
Sparmaßnahmen an. „Konsequenterweise wird die SAP
Maßnahmen zur Kostensenkung beschleunigen“, hieß es.
Dazu gehöre auch die Anpassung der Zahl der Mitarbeiter sowie
der Mitarbeiterstruktur, und dies vor allem in den USA. Ein
SAP-Sprecher sagte, unter dem Strich werde der Konzern in diesem
Jahr angesichts des gleichwohl starken Wachstums seine Belegschaft
nicht reduzieren. „Wir haben aber auch Bereiche, wo wir das
Gefühl haben, dass wir etwas überdimensioniert sind“,
ergänzte er. Von Januar bis September nahm die Zahl der
Mitarbeiter von SAP um 15 Prozent auf 27884 Beschäftigte
zu.

Im dritten Quartal 2001 steigerte SAP seinen Umsatz eigenen
Angaben zufolge um 16 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro. Das
operative Ergebnis ohne Sondereffekte stagnierte bei 201
(Vorjahreszeitraum: 202) Millionen Euro. Der Überschuss ohne
Aufwendungen durch Zukäufe verringerte sich um mehr als ein
Zehntel auf 78 Millionen Euro, unter dem Strich betrug der
Überschuss nur 37 Millionen Euro. Damit blieb das Ergebnis
unter den Erwartungen von Analysten, die für den Reingewinn
einschließlich der Einmaleffekte einen Zuwachs um fast drei
Viertel erwartet hatten.

Für das Gesamtjahr geht SAP nun von einem Umsatzwachstum um
rund 15 Prozent aus. Noch am 20. September hatte SAP einen
Umsatzzuwachs um mehr als 20 Prozent erwartet. Die operative Marge
ohne Einmaleffekte werde in etwa auf dem Vorjahresniveau von 20
Prozent bleiben.

Co-Vorstandssprecher Henning Kagermann verwies darauf, dass SAP
die Prognosen für die ersten neun Monate erfüllt habe.
Gleichwohl habe SAP für das dritte Quartal mit einem
höheren Umsatz aus Softwarelizenzen gerechnet. Der
Lizenzumsatz sank von Juli bis September um sieben Prozent auf 447
Millionen Euro, während der Umsatz aus Beratung (plus 30
Prozent) und aus Schulungen (plus 19 Prozent) wuchs.