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28. April 2008 – Der Münchner
Standardsoftwerker Softm erholt sich nur langsam von seinem
kostenzehrenden Zukauf der Unternehmenssoftware Semiramis und der
neu entwickelten Finance-Lösung Sharknex. Der ERP-Hersteller
sieht sich vor allem im Bereich Systemintegration in der
Defensive.

Wenig Erfreuliches hat der Softm-Vorstandsvorsitzende Franz
Wiesholler über die Unternehmensentwicklung im Jahr 2007 zu
berichten:„Wir verzeichnen Umsatzeinbußen im Bereich
Systemintegration und leichte Rückgänge im
Consultingbereich“, so Wiesholler auf der
Bilanzpressekonferenz in München. Die düstere
Jahresbilanz sei allerdings kein Zeichen für fehlerhafte
Entscheidungen, sondern Folge hausinterner Umstrukturierungen. Am
Produktportfolio und einem starken indirekten Vertrieb will der
mittelständische Softwareanbieter weiterhin festhalten.

Rund vier Millionen Euro hat Softm nach eigenen Angaben in die
Weiterentwicklung der Java-basierten Standardsoftware Semiramis
investiert und rund zwei Millionen Euro in die Neuentwicklung von
Sharknex, einem Programm für das Rechnungswesen. Während
das Neukundengeschäft mit der Business-Software für das
Enterprise Ressource Management (ERP) im vergangenen Jahr zulegen
konnte, stagnieren die anderen Geschäftsaktivitäten.

Vor allem das Java-basierte Finanzprogramm Sharknex konnte
bisher noch wenig überzeugen. Der ERP-Hersteller PSI entschied
sich bei einem Benchmark für die Controllingsoftware E Gecko
des Herstellers CSS aus Fulda.

Mehr zu Buche schlägt das wachsende Desinteresse der
mittelständischen Anwender an IBMs Serversystem i (ehemals
AS/400). Die für diesen Rechner entwickelte Softm ERP-Suite
findet kaum noch Abnehmer. Enttäuscht wurden die Erwartungen
in das Bison-Produkt Greenax, für das sich Softm vor einiger
Zeit stark gemacht hatte. In beiden Fällen kam es zu einen
Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich. Allerdings
will sich Softm als Greenax-Vertriebspartner nicht endgültig
von dieser Standardsoftware zurückziehen.

Wenig überrascht zeigt sich der Softm-Vorstand von einem
größeren Personalabgang in Stuttgart. Durch die
Umwandlung der dortigen Softm-Niederlassung in einen
eigenständigen Vertriebspartner verlor der Münchner
ERP-Hersteller ein Spezialistenteam. Durch den Verkauf der
Stuttgarter Tochtergesellschaft büßten die Münchner
zusätzliche Umsatzanteile im Service- und
Integrationsgeschäft ein. Das Minuszeichen beim Nettogewinn
erkläre sich zum Teil aus diesen Umschichtungen,
erläutert Softm-Vorstandsmitglied Ralf Gärtner.

Gute Aussichten sieht Softm dagegen bei Branchenlösungen,
die überwiegend über Partner vorangetrieben werden. Der
Schwenk auf die Java-Plattform eröffnet nach Ansicht von
Gärtner völlig neue Einsatzfelder, „die wir bisher
aus eigener Kraft nicht angehen konnten.“ Das seien vor allem
der Automotive-Sektor sowie Industriebetriebe mit variantenreicher
Fertigung. Weitere Standbeine will sich Softm auf internationalem
Feld sichern. Sowohl Osteuropa als auch Großbritannien und
der Nahe Osten stehen auf der Besuchsagenda der Münchner
Marketing- und Sales-Manager.