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Montag, 2. April 2001
Die 400 Millionen Dollar, die die SAP AG für den kleinen
amerikanischen Integrationssoftwarespezialisten Toptier
hinblättert, scheinen völlig überhöht. Die
horrende Summe regt zu Spekulationen an.

Mit seiner Integrationssoftware Drag-and-Relate ist Toptier ein
kleines, aber wichtiges Element in der Vermittlungskomponente
MyWorkplace innerhalb der SAP-Internetsoftware Mysap.com. Diese
Schaltstellenfunktion allein kann indes kaum plausibel machen,
wieso die SAP einen solch exorbitanten Preis für ein
Unternehmen zahlt, das derzeit gerade einmal 20 Millionen Dollar
Umsatz macht.

SAP-Experte Helmuth Gümbel von der Unternehmensberatung
Strategy Partners International, mutmaßt denn auch, dass die
Kaufsumme quasi ein Barscheck auf Toptier-Software ist, die noch in
der Pipeline steckt. „Die 400 Millionen sind nur dann
vernünftig erklärbar, wenn Toptier demnächst
über Software verfügt, die bisher noch keinem
SAP-Konkurrenten angeboten worden ist und für die SAP sonst
erhebliche Lizenzgebühren bezahlen müsste.“

Gümbel erinnert in diesem Zusammenhang an die SAP-Maxime,
für eine strategische Fremdsoftware nur einmal zu bezahlen.
Die Lizenzsituation bei der existierenden Toptier Software
Drag-and-Relate sei sicher nicht so interessant, als dass sie einen
solchen Kaufpreis rechtfertige. Schließlich werde diese von
vielen SAP-Konkurrenten ebenfalls eingesetzt.

SAP werde sicher nicht versuchen, diese Konkurrenten mit dem
Toptier-Erwerb in die Enge zu treiben, meint Gümbel, denn das
zöge unweigerlich Vergeltungsmaßnahmen der Konkurrenz
nach sich. Schließlich sei SAP auf Datenbankseite
beispielsweise von Oracle und auf Betriebssystemseite von Microsoft
abhängig, beides Mitbewerber im ERP- beziehungsweise
CRM-Sektor.

Für die Version, dass sich SAP mit dem Toptier-Erwerb in
erster Linie noch jungfräuliches Integrationsknowhow sichern
will, spricht auch die Tatsache, dass die Walldorfer in ihrer
Presseverlautbarung auf die Übernahme von 50 Millionen Dollar
Forschungs- und Entwicklungskosten für Softwareprodukte
hinweisen, deren „technische Verfügbarkeit zum Zeitpunkt des
Erwerbs noch nicht gegeben war“.

Quelle: www.silicon.de