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Walldorf (dpa) – Der letzte Gründervater des
Software-Riesen SAP verabschiedet sich aus der ersten Reihe:
Vorstandssprecher Hasso Plattner wird am Freitag die
Kommandobrücke verlassen und in den Aufsichtsrat wechseln. Der
leidenschaftliche Segler verlässt aber keinesfalls einen Leck
geschlagenen Seelenverkäufer. Im Gegenteil: Europas
größtes Softwarehaus ist im internationalen Ringen um
Marktanteile gut aufgestellt und rechnet trotz der Konjunkturkrise
für das laufende Geschäftsjahr mit einem moderaten
Umsatzanstieg und einer Erhöhung der Gewinnmarge.

Mit Henning Kagermann wird das Walldorfer Unternehmen nun nur
noch einen Sprecher an der Spitze haben. Bislang teilten sich der
gelernte Physiker Kagermann und der ehemalige Programmentwickler
von IBM den Posten als Co-Sprecher. Auf der Hauptversammlung in
Mannheim soll Plattner in das 16-köpfige Kontrollgremium
gewählt werden und damit auf den Stuhl eines weiteren Mannes
der ersten Stunde rücken: Der 63-jährige Dietmar Hopp
will seinen Posten als Aufsichtsratschef zu Gunsten des
59-jährigen Plattner verlassen und nur noch einfaches Mitglied
des Gremiums sein.

Damit rückt Plattner ein zweites Mal an dessen Stelle. Als
Hopp 1998 in den Aufsichtsrat wechselte, verblieb Plattner als
alleiniger Vorstandssprecher. Zusammen mit drei weiteren
Gründervätern hatten sie die SAP AG von einer kleinen
nordbadischen Software-Schmiede in 1972 zum Weltmarktführer
für betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware geführt.
Mit Henning Kagermann steht nun erstmals ein Mann an der Spitze des
Software-Unternehmens, der nicht zu den SAP-Pionieren
gehört.

Der charismatische Plattner hatte bis zur Ankündung seines
Wechsels Mitte März einen Abschied auf Raten zelebriert. Neben
seinem unerwarteten Fehlen bei der Präsentation der
Geschäftszahlen 2002 wegen der Flaute bei einer Segelregatta
war der Umbau der Aufgabenbereiche im Vorstand des
größten deutschen Softwarekonzern ein entscheidendes
Indiz: Plattner gab die Verantwortung für die
Technologieentwicklung an das 34-jährige Vorstandsmitglied
Shai Agassi ab.

Auf der Hauptversammlung in Mannheim wird der
Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche
Standard-Software seinen Aktionären eine leichte Erhöhung
der Dividende von 0,58 auf 0,60 Euro vorschlagen. SAP schüttet
seit 1988 regelmäßig eine Dividende aus. Zur
Hauptversammlung werden wie im Vorjahr rund 5000 Teilnehmer
erwartet.

Der größte deutsche Softwarekonzern hatte im ersten
Quartal 2003 das Ergebnis nach Steuern von 65 Millionen auf 186
Millionen Euro ausgebaut. Als Grund wurde das
Kostensenkungsprogramm im Kerngeschäft sowie der Wegfall der
Sonderbelastung durch das US- Softwareunternehmen Commerce One
genannt. Der Umsatz war in den ersten Monaten des Jahres um acht
Prozent auf 1,52 Milliarden Euro zurückgegangen.