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 von Harald Weiss

25.11.2013- Salesforce.com hat auf seinem jüngsten Kundenevent in San Francisco eine neue Marschrichtung vorgestellt. Nicht mehr Social-Media und Chatter stehen im Vordergrund der strategischen Ausrichtung, stattdessen gibt eine Rückbesinnung auf die alten Tugenden der IT-Unterstützung bei den Kundenbeziehungen (CRM).

„Hinter jedem neuen Gerät im Internet ist ein Kunde – und um den muss man sich verstärkt kümmern“, sagte Salesforce-Chef Marc Benioff in seiner Keynote. Dabei hielt er eine Zahnbürste hoch, die in Zukunft mit WLAN und GPS ausgestattet sein wird. Das Gerät protokolliert nicht nur, wann und wie lange man seine Zähne geputzt hat, sondern es wird auch erfasst, ob man alle Ecken und Enden der Zahnreihen ausreichend lange gebürstete hat. „Mein Zahnarzt wird mich demnächst nicht mehr fragen, ob ich meine Zähne genügend putze, sondern nur noch nach dem Login für meinen Account“, lautete Benioffs Prognose.

Folglich gibt es deshalb bei Salesforce kein „Internet of Everything“, sondern nur noch ein „Internet of Customers“. Konsequenterweise geht es bei Salesforce jetzt vor allem um die vielen neuen mobilen Apps zur Kundenunterstützung.

Hierzu hat das Unternehmen eine Reihe an Neuheiten vorgestellt. Kernstück ist die neue integrierte Plattform Salesforce1, in der alle bisherigen Cloud-Angebote des CRM-Spezialisten zusammengefasst sind. Neben der Integration der bisherigen Silo-Anwendungen, wie Force.com, Database.com, Heroku und Identity geht es bei Salesforce1 vor allem um neue Anwendungen unter dem Motto „Mobile first“.

Das heißt, es wird vor allem die Entwicklung von Business-Cloud-Anwendungen auf Smartphones und Tablets unterstützt, die dann über den eigenen AppExchange-Store angeboten werden. „Ich verwende nur noch mein Handy, um mit der Salesforce-Plattform zu kommunizieren“, meinte Benioff über die Nutzung von Salesforce1. Laut Benioff ist Salesforce1 „die größte Ingenieurleistung, die das Unternehmen jemals vollbracht hat“.

Auch bei den Entwicklern gibt es viel Zuspruch. “Salesforce1 ist die
erste CRM-Plattform für Entwickler, ISVs, End-Anwender, Admins und
Kunden, die den Weg in die neue soziale, mobile und allseits verknüpfte
Cloud gehen wollen”, schwärmte Adam Seligman, Salesforce‘ Chef der
Entwicklergemeinde, in einem Gespräch mit silicon.de.

Beim Ausbau der dafür erforderlichen Entwicklergemeinde ist man
offensichtlich sehr erfolgreich. “Die Zahl der Anwendungsentwickler hat
sich im letzten Jahr auf 1,4 Millionen mehr als verdoppelt”, freut sich
Seligman. Um diese Gruppe weiter auszubauen, setzt man verstärkt auf ein
umfangreiches API-Angebot. “Man könnte unsere Entwicklungsplattform
auch mit ‚API first‘ beschreiben”, so Seligman weiter.

Damit meint er, dass man nicht so sehr über die darunter befindliche
Technologie redet, sondern nur über die Software-Verzahnung. Hierbei
verweist er darauf, dass Salesforce1 zehnmal mehr APIs bietet als die
bisherigen Systeme. Trotzdem fehlen noch wesentliche Komponenten. So
will man sich zwar bei den Marketing-Abteilungen mit den akquirierten
Lösungen von ExaktTarget beliebt machen, doch echte Big Data Unterstützungen
gibt es bislang nicht. Hadoop, Realtime-Analytics, Predictive-Analytics
– alles Fehlanzeige. Doch das Problem ist erkannt. “Wir werden hier in
naher Zukunft erhebliche Mittel investieren”, kündigte Seligman bereits
an.

Während die Ausrichtung, die Nutzung und der Leistungsumfang von
Salesforce1 klar erkennbar sind, waren Sinn und Bedeutung einer weiteren
Ankündigung nicht so eindeutig auszumachen. So gibt es jetzt eine
Partnerschaft von Salesforce und HP, bei der die Salesforce-Kunden
spezielle HP-Storage, -Server und –Netzwerke ordern können, auf denen
ihre Anwendungen laufen sollen. Unter dem Namen Superpod wird praktisch
ein Rückschritt aus der bisherigen Cloud-Philosophie geschaffen, dass
nämlich der Nutzer keinen Einfluss und keine Kenntnisse darüber hat,
welche Technologie sich in der Cloud-Wolke befindet. Zwar hat
Salesforce-Mitgründer Parker Davis in einem Pressegespräch zugegeben,
dass man unter anderem auch Oracles Exadata einsetzt, Benioff selbst hat
aber in den letzten Jahren konsequent alle diesbezüglichen Fragen
abgeblockt. Doch jetzt war er voll des Lobes über das HP-Angebot: “Es
ist eine public-private Cloud – es sind public Cloud-Dienste, aber auf
einer dedizierten Hardware”, lautete seine Erklärung.

Ob das wirklich als tragfähiges Business-Modell anzusehen ist, bleibt
dahingestellt. Vielleicht ist es nur ein Gefallen, den Salesforce
gegenüber HP machen wollte – immerhin ist HP einer der größten
Salesforce-Kunden. “Wir haben 27.000 Verkäufer auf der
Salesforce-Plattform und wir planen, dass wir 100.000 von unseren
Partnern ebenfalls auf dieses System bringen”, sagte HP-Chefin Meg
Whitman, die von Benioff als Gastredner eingeladen war.

 Quelle:http://www.silicon.de