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Wirtschaftlich gibt es derzeit weltweit eine Delle, eine Reihe von Entwicklungen verbreiten Unsicherheit: die Krise in der Eurozone, eine langsamer als erwartet verlaufende Erholung der US-Wirtschaft, dazu sogar noch ein Abschwung im notorisch boomenden China. Die Analysten von Gartner nennen alle diese Faktoren als Hintergrund für ihre Prognose, dass sich die Lage stabilisiere. Die Vorhersage für die diesjährigen IT-Ausgaben korrigiert Gartner jetzt nach oben – so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick.

An dieser Stelle ist jedoch festzuhalten, dass die schnell aufeinander folgenden Prognosen und Prognose-Korrekturen von Gartner momentan durchaus Verwirrung stiften können. Kürzlich erst war nämlich von Gartner allenthalben zu lesen, dass eine Voraussage nach unten korrigiert wurde. Jetzt erfolgt also eine Aufwärtskorrektur. Der Versuch einer Einordnung lohnt, Grundkenntnisse in Mengenlehre helfen dabei enorm.

Prognose für Application Software gesenkt
Nach unten also korrigierte das Analystenhaus unlängst seine Prognose für die weltweiten Ausgaben für Enterprise Application Software. Darunter fasst Gartner im Kern Business Intelligence (BI), Customer Relationship Management (CRM), Digital Content Creation (DCC), Enterprise Resource Planning (ERP), Project & Portfolio Management (PPM), Supply Chain Management (SCM) sowie Software für Content, Kommunikation, Collaboration, Personalproduktivität und Office Suites.

Für Anwendungen aus diesen Bereichen nun geben laut aktueller Gartner-Prognosen die Firmen weltweit in diesem Jahr 120,4 Milliarden US-Dollar aus. Gegenüber dem Vorjahr sei dies ein Anstieg um 4,5 Prozent. Vor einigen Monaten war Gartner noch von einem Plus von 5 Prozent ausgegangen.

Von 2,5 auf 3 Prozent nach oben berichtigte Gartner jetzt seine Prognose für die gesamten IT-Ausgaben. Demnach geben Firmen aus aller Welt in diesem Jahr 3,628 Billionen Dollar für IT aus. Darin enthalten sind neben Software-Ausgaben auch Investitionen in Hardware, IT-Services, Telekommunikationsgeräte und Telekommunikations-Services.

2012 ist ein Dellenjahr
Um Missverständnissen vorzubeugen, sind zwei Dinge anzumerken. Erstens umfassen die hier angeführten Software-Ausgaben weit mehr als den oben genannten Teilmarkt für Enterprise Application Software. Alles in allem werden laut Gartner in diesem Jahr nämlich 281 Milliarden Dollar im Bereich Software ausgegeben. Die Wachstumsprognose korrigierten die Analysten jetzt von 5 auf 4,3 Prozent nach unten – analog also zum Teilsegment Enterprise Application Software.

Zweitens ist darauf hinzuweisen, dass Gartner gegenüber seiner Voraussage von vor drei Monaten auch die Gesamtausgangsbasis verändert hat. 2011 wurden demnach insgesamt 3,523 Billionen Dollar für IT ausgegeben – mehr als 100 Milliarden Dollar weniger als zuletzt geschätzt. Demnach ist der IT-Gesamtmarkt im vergangenen Jahr nicht um 6,8 Prozent, sondern um 7,9 Prozent gewachsen. Der Hinweis erscheint deshalb wichtig, weil er die von Gartner kommunizierte Korrektur durchaus in ein anderes Licht rückt. Statt 2,5 Prozent wächst der Gesamt-IT-Markt also nach aktueller Prognose in diesem Jahr um 3,0 Prozent. Hinter dieser Nachricht verstecken die Analysten aber, dass sie absolut betrachtet das Marktvolumen für dieses Jahr von 3,751 auf nur noch 3,628 Billionen Dollar de facto nach unten korrigiert haben.

Kleiner Taschenspielertrick
Es mag sich hier um einen kleinen Taschenspielertrick handeln, der dazu dient, den von den Analysten gewonnenen Eindruck einer Stabilisierung in ökonomisch unsicheren Zeiten auch in harte Zahlen gießen zu können. In jedem Fall wartet Gartner in der aktuellen Prognose mit einem durchaus verheißungsvollen Ausblick in die Zukunft auf. Demnach ist für 2013 insgesamt ein Wachstum um 4,4 Prozent zu erwarten. Das laufende Jahr wäre dann gewissenmaßen die temporäre Delle.

Der Blick auf die fünf Basisbereiche stellt sich so dar. Mit einem Wachstum von 17,5 Prozent im Vorjahr und 10,8 Prozent in diesem Jahr hielt das Segment der Telekommunikationsgeräte den Gesamtmarkt zuletzt quasi über Wasser. Gartner geht offenbar von einem allmählichen Abflauen des Smartphone- und Tablet-Booms aus, weshalb die Wachstumsprognose für kommendes Jahr nur noch bei 8,3 Prozent liegt.

In 4 Segmenten wächst der Markt
Im Gegenzug ziehen die anderen vier Segmente 2013 wieder stärker an. Die Wachstumsrate steigt demnach bei den Telekommunikationsservices von 1,4 auf 2,3 Prozent, bei den IT-Services von 2,3 auf 4,8, bei der Enterprise Software von 4,3 auf 6,9 Prozent und bei der Computing Hardware von 3,4 auf 6,6 Prozent.

Selbst für das laufende, von Zurückhaltung geprägte Jahr macht Gartner-Analyst Richard Gordon einige leuchtende Flecken aus. So gebe es bei den Public Cloud-Services einen Anstieg von 91 auf 109 Milliarden Dollar, der sich bis 2016 auf dann 207 Milliarden fortsetze. Zwar bleibe die Auslagerung von Geschäftsprozessen in die Wolke vorherrschend, aber auch bei Platform-as-a-Service (PaaS), Software-as-a-Service (SaaS) und Infrastructure-as-a-Service (IaaS) beschleunige sich das Wachstum.

ERP vor Office und BI
Der Bedarf an Beratungsdienstleistungen werde erwartungsgemäß hoch bleiben angesichts der komplexen Umwelten in den führenden Unternehmen. Gartner geht davon aus, dass das Consulting-Feld immer technologischer werde. Damit verbunden seien Ausgaben für Analytics und Big Data.

Der deutlich größte Anteil der Ausgaben für Enterprise Application Software entfällt in diesem Jahr mit 24,9 Milliarden Dollar auf ERP. Dahinter folgen Office-Pakete mit 16,5 Milliarden Dollar sowie BI und CRM mit jeweils 13 Milliarden Dollar auf den Plätzen.

Quelle:www.cfoworld.de