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Oracle ist unzufrieden. Wie Sergio Giacoletto,
Europa-Vizepräsident des Unternehmens, auf der Konferenz
Oracle Application World in Amsterdam meinte, habe man sich vom
europäischen Markt mehr erwartet. Tatsächlich startete
das ASP-Geschäft (Application Service Providing) von Oracle
enttäuschend: Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen in
diesem Geschäftsfeld gerade einmal zehn neue Kunden gewinnen.
Zum Vergleich: Für ein Upgrade für die Application Suite
11i meldeten sich 1200 europäische Interessenten.

Oracle hofft, dass sich der Markt bald erholen wird.

Man habe auf größeren Zuspruch für den Service
gehofft, sagte Giacoletto. Die Schuld sieht er vor allem bei der
schlechten Marktlage, aber auch „andere Umstände“ würden
den Erfolg in Europa erschweren: „Die Kosten für
Telekommunikation sind zwar im Sinken begriffen, aber die
Schnelligkeit der Verbindungen und die Infrastruktur lassen noch zu
wünschen übrig.“

Für die Zukunft ist Giacoletto allerdings trotzdem
optimistisch. Der Markt zeige erste Anzeichen einer Erholung,
meinte er. Daher gehe man bei Oracle auch davon aus, dass man die
gesteckten Ziele erreichen könne. So will das Unternehmen etwa
in den nächsten fünf Jahren 50 Prozent der Kunden zum
Software-Hosting bekehren.

Nach dem Ende des ASP-Hypes zeigten nun vor allem Unternehmen
und Regierungen wachsendes Interesse an den Hosted Services, meinte
Giacoletto. „Die Kunden erkennen, dass sie Internet-fähige
Applikationen verwenden müssen, und dass es besser ist,
standardisierte Software einzusetzen statt die eigenen
Applikationen permanent anzupassen.“

Analysten sind dagegen weniger zuversichtlich für Oracles
Zukunft. Katy Ring vom Beratungsunternehmen Ovum sprach von einer
„mutigen Aussage“: Es sei sehr fraglich, ob Oracle seine Ziele
tatsächlich erreichen könne. „Die Sache hat zwei Seiten.
Denn Oracle macht einen großen Teil seines Umsatzes mit
Integration und Services. Wenn es dem Anbieter gelingt, die
Anwenderunternehmen für Internet-fähige Applikationen zu
begeistern, werden Oracle die traditionellen Umsatzgeneratoren
wegbrechen.“