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Der SAP-Hauptkonkurrent Oracle hat in diesem Jahr
bereits den zweiten Finanzchef verloren. Greg Maffei (45),
Finanzchef und einer der drei Oracle-Präsidenten,
verlässt den amerikanischen Unternehmenssoftware-Konzern
überraschend zum 15. November. Er hatte seinen Posten erst im
Juni angetreten. Maffei wolle eine „großartige berufliche
Chance“ ergreifen, sagte dazu Oracle-Konzernchef Larry Ellison (61)
in Redwood Shores. Nähere Einzelheiten zu der neuen
Tätigkeit gab es nicht. Der vorherige Oracle-Finanzchef Harry
You war im März nach weniger als einem Jahr ausgeschieden und
hatte die Führung der Computer-Consulting-Firma BearingPoints
übernommen.

Maffei hatte von 2000 bis Juni 2005 den Telekommunikations-
Dienstleister 360networks geführt und war von Juli 1997 bis
Dezember 1999 Microsoft-Finanzchef gewesen. Die Co-Präsidentin
der Oracle Corporation, Safra Katz, werde nun den Posten des
Finanzchefs mit übernehmen, kündigte das Unternehmen an.
Katz hatte früher für die Investmentbank Credit Suisse
First Boston gearbeitet. Sie ist für die globalen
Oracle-Geschäfte und für Übernahmen
zuständig.

Maffei versicherte, sein Ausscheiden habe nichts mit dem
Unternehmen, seinen Managern und Mitarbeitern zu tun. Nach
Branchenberichten hat Maffei Oracle verlassen, weil er bei einem
anderen Unternehmen Chef werden wolle und keine Chance gesehen
habe, Ellison-Nachfolger zu werden.

Ellison, der Oracle 1977 mit gegründet hatte und
Großaktionär der Softwarefirma ist, fährt einen
spektakulären Expansionskurs. Damit Oracle bei
Anwendungssoftware noch stärker zum globalen
Branchenführer SAP aufschließt, wurden seit Jahresbeginn
mehr als ein halbes Dutzend Unternehmen zugekauft. Der
größte Brocken war die Übernahme des
US-Softwarekonzerns PeopleSoft für 10,6 Milliarden Dollar. Die
Softwarefirma Retek konnte Oracle in einer Übernahmeschlacht
mit SAP für sich gewinnen. Ellison hatte im September auch die
Übernahme des US-Konkurrenten Siebel für 5,85 Milliarden
Dollar angekündigt. Er steht mit einem Vermögen von 17
Milliarden Dollar in der Liste der reichsten Amerikaner des
Wirtschaftsmagazins Forbes an fünfter Stelle.