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CeBIT: Microsoft fegt Sonys Playstation von
der Messe

„Game over“ für die Playstation 2 auf der CeBIT: Im
beinharten Wettbewerb auf dem Milliardenmarkt der Spielekonsolen
hat Neuling Microsoft Marktführer Sony die Show gestohlen.
Erstmals in der CeBIT-Geschichte musste ein namhafter Aussteller in
diesem Umfang Produkte von seinem Stand entfernen. Nach einer
Microsoft-Beschwerde bei der Deutschen Messe AG in Hannover
räumte Sony am Sonntag sämtliche 27 PS-2-Geräte
ab.

Der Grund dafür ist in der CeBIT-Nomenklatur über die
Inhalte der Messe zu suchen: So dürfen wegen der
Business-to-Business-Ausrichtung der Messe weder
Unterhaltungselektronik noch Spiele gezeigt werden. Microsoft
selbst präsentiert seine X-Box deshalb geschickterweise nur
hinter Glas, als Ansichtsexemplar. In der Konsequenz aus dieser
Affäre denkt der Veranstalter Deutsche Messe AG und der
Aussteller-Beirat nun über Veränderungen nach.

„Die CeBIT ist grundsätzlich eine Business-Messe und
Profi-Veranstaltung, entsprechend ist die Nomenklatur formuliert“,
begründete Messe-Sprecher Detlev Rossa die Bitte der
Messeleitung an Sony, auf die Präsentation der
PS-2-Geräte zu verzichten. Dem kam Sony Deutschland nach
eigenen Angaben nach, „um den Messefrieden zu wahren“. Der rund 100
Quadratmeter große PS-2-Bereich auf dem mehr als 2000
Quadratmeter großen Stand wurde geräumt und mit
rot-weißem Band abgesperrt. Mit Hinweisschildern direkt unter
dem PS2-Logo wurden die Besucher um Verständnis gebeten.

„Wir sind von der heftigen Reaktion dieses Ausstellers
überrascht“, sagte Sony-Sprecher Udo Freialdenhofen. Die PS2
sei auf der CeBIT der beiden Vorjahre gezeigt worden, ohne
Anstoß zu erregen. Damals allerdings war Microsoft noch nicht
mit der X-Box im Rennen. „Gütliche Einigungsversuche, die wir
im Vorfeld unterbreiteten, wurden abgelehnt“, klagte der
Sony-Sprecher. „Der Beschwerdeführer hat sich keinen
Millimeter bewegt.“

„Sony präsentiert sich jetzt in der Opferrolle und stellt
uns als die Bösen hin. Aber die Nomenklatur der CeBIT ist
eindeutig“, konterte Microsoft-Sprecher Frank Mihm. Microsoft habe
vor der CeBIT mit der Messeleitung über die X-Box gesprochen
und auf eine große Präsentation verzichtet. „Ich glaube
auch nicht, dass man gleich 27 Playstations als Demopunkte für
die Hardware aufstellen muss.“ Microsoft hätte seine X-Box
auch gerne umfangreicher auf der CeBIT gezeigt. „Aber die
Richtlinien sind nun mal so wie sie sind.“

Die jetzige PS-2-Affäre ist ein Nachhall der Ausgliederung
der Unterhaltungselektronik auf die inzwischen gescheiterte CeBIT
Home. „Wir werden mit den Ausstellern über eine Änderung
der Nomenklatur nachdenken“, kündigte Messe-Vorstand Ernst
Raue an. Es müsse dem Fakt Rechnung getragen werden, dass
Multimedia-, Telekommunikatons- und PC-Elemente zunehmend
zusammenwachsen.