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02.05.01 – MÜNCHEN (CW) – Bei den
Softwareherstellern trennt sich die Spreu vom Weizen. Während
die Marktführer gut abschneiden, müssen sich die
Nischenanbieter Sorgen um ihre Zukunft machen.

„Ich glaube, dass wir eine globale ökonomische Rezession
sehen – das ist weniger ein Problem als eine Tatsache“, urteilte
Tom Siebel anlässlich der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse
seines Unternehmens. Siebel Software, führender Anbieter von
Software für das Customer-Relationship-Management (CRM),
konnte immerhin den Umsatz um 84 Prozent und den Gewinn um 118
Prozent steigern – ein Ergebnis, das die Analystenerwartungen
übertraf.

Dennoch hat der Firmenchef verschiedene Schritte unternommen, um
die Kosten im Unternehmen zu reduzieren. So wurden zehn Prozent der
Mitarbeiter entlassen – und zwar diejenigen, die im Rahmen einer
internen Beurteilung am schlechtesten abgeschnitten hatten.
Betroffen waren etwa 800 Beschäftigte. Außerdem
müssen die Manager vom Senior Vice President aufwärts mit
20 Prozent weniger Gehalt auskommen. So hofft das Unternehmen,
seine Gewinnsituation im Griff zu behalten.

Optimistischer sieht dagegen die SAP AG in die Zukunft. Die
Walldorfer legten wie Siebel ein gutes Quartalsergebnis vor, kommen
dabei allerdings ohne drastische Sparmaßnahmen aus. Im
Gegenteil: Seit Anfang des Jahres hat das Unternehmen 1000 neue
Mitarbeiter eingestellt und trotzdem im ersten Quartal das
Konzernergebnis auf 117 Millionen Euro gegenüber dem
Vorjahresquartal mehr als verdoppelt. Und auch in den nächsten
drei Quartalen wollen die Walldorfer die Wachstumsrate des
Vorjahres von 23 Prozent leicht übertreffen.

Die vergleichsweise schwache Präsenz in den konjunkturell
kriselnden USA kommt SAP jetzt zugute. Dort erwirtschaften die
Deutschen nur 36 Prozent ihres Umsatzes. Im abgelaufenen Quartal
lief das Geschäft in der Neuen Welt erneut eher schlecht.
Währungsbereinigt hat der Softwarehersteller seinen
Lizenzumsatz jenseits des Atlantiks nur gehalten und nicht wie in
Europa und Asien deutlich gesteigert. Damit wird das
Gesamtumsatzwachstum von 29 Prozent sehr stark von Europa und Asien
getragen.

Im CRM-Markt liegt SAP zurück
Zum ersten Mal hat SAP die verschiedenen Produktbereiche von
Mysap.com wie CRM, SCM und Financials getrennt ausgewiesen. Hier
zeigt sich, mit welch großem Abstand der Universalanbieter
den Spezialisten in den Wachstumsmärkten hinterherläuft.
So erzielte das Unternehmen mit Mysap CRM Lizenzumsätze von 67
Millionen Euro, während Siebel rund 335 Millionen Dollar (etwa
372 Millionen Euro) verbuchte.

Nicht ganz so düster sieht es beim Supply-Chain-Management
(SCM) aus, also im Markt für Software zur Optimierung der
Zulieferkette. SAP weist hier Softwareverkäufe in Höhe
von 103 Millionen Euro im Quartal mit Mysap SCM aus, während
es der Spezialist i2 Technologies auf Softwarelizenz-Einnahmen von
211 Millionen Dollar (234 Millionen Euro) bringt. Da SAP die
Produkte erst seit diesem Jahr als Einzellösungen verkauft,
lässt sich der Verkauf nicht mit Vorjahreszahlen vergleichen.
Ob die Walldorfer also mittelfristig zu einer ernsthaften
Konkurrenz für die Spezialanbieter werden, muss sich erst noch
zeigen.

Trotz guter Umsätze verliefen die letzten drei Monate
für i2 aber nicht ideal. Mit 774 Millionen Dollar Verlust im
ersten Quartal – in diesem Ergebnis sind allerdings Abschreibungen
auf die Übernahme der Softwareschmiede Aspect Development vom
Juni letzten Jahres enthalten – ist das Unternehmen tief in die
roten Zahlen gerutscht. Für den Vergleichszeitraum des
Vorjahres konnte i2 noch einen Gewinn von zwölf Millionen
Dollar vorweisen. Weil das Unternehmen auch im laufenden Quartal
keine größere Belebung des Geschäfts erwartet und
zudem seine Umsatz- und Gewinnerwartung für das
Geschäftsjahr 2001 deutlich reduziert hat, sollen nun zehn
Prozent der Mitarbeiter entlassen werden.

Und auch Commerce One will sparen – allerdings ohne genau zu
sagen, wie. Der Hersteller von Software für elektronische
Marktplätze erfüllte mit 170 Millionen Dollar Umsatz und
229 Millionen Dollar Verlust exakt die zuvor allerdings reduzierten
Erwartungen. Rund 50 Prozent tragen mittlerweile Partner zum
Lizenzumsatz bei – den Löwenanteil bringt die Kooperation mit
SAP ein. Um dieses Geschäft weiter voranzutreiben, bringt der
Hersteller eine neue Version von „Marketset“ heraus, der gemeinsam
mit SAP entwickelten Marktplatzlösung, die noch enger in
Mysap.com integriert werden soll. Außerdem plant das
Unternehmen, über eine Kooperation mit Microsoft seine
Lösung für Microsofts .NET-Server zu optimieren.

Mit Ariba hatte auch der zweite große Anbieter von
E-Procurement- und Marktplatzlösungen im Vorfeld der
Ergebnissaison seine Gewinnerwartung reduziert. Zu Recht, wie sich
nun zeigte: Zwar konnte das Unternehmen seinen Umsatz im
abgeschlossenen Quartal um 126 Prozent auf 90,7 Millionen Dollar
steigern, das Nettodefizit fiel jedoch mit einem Minus von 1,84
Milliarden Dollar kräftig aus. Allerdings sind in diesem
Betrag Abschreibungen in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar auf
die Übernahme von Tradex Technologies sowie Kosten für
die letztendlich gescheiterte Akquisition von Agile Software
enthalten. Ohne diese Aufwendungen bleibt aber immer noch ein
stattliches Minus von 48,3 Millionen Dollar

Weder Ariba noch Commerce One legten nach ihren eher schwachen
Ergebnissen ein exaktes Sparprogramm vor, wohl aber der profitable
CRM-Spezialist Siebel. So werden der Hosting-Dienst Sales.com zum
30. Juni geschlossen, die Serviceangebote von zwölf auf
fünf reduziert und Entwicklungsaktivitäten rund um eine
Software für den Einzelhandel beschnitten. Außerdem
wurde der Betrieb in einigen Bereichen außerhalb der USA
eingestellt.

Inwieweit Deutschland von den angekündigten zehn Prozent
Stellenstreichungen betroffen sein wird, konnte das Unternehmen auf
Anfrage nicht sagen. Allerdings werden auch hierzulande die
Mitarbeiter kritisch bewertet – mit welchen Folgen, ist nicht
bekannt.

Software AG
Mit einem Umsatzwachstum von 35 Prozent im ersten Quartal 2001
gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 94,5 Millionen Euro
umgesetzt worden waren, trotzt auch die Software AG, Darmstadt, dem
Branchentrend. Vor allem in den USA konnte das Unternehmen eigenen
Angaben zufolge zulegen. Dort hatte die Software AG aber vor kurzem
ihre ehemalige Tochter Saga zurückgekauft. Seit dem 1. Februar
ist der Deal perfekt und damit auch der Saga-Umsatz in das Ergebnis
der Darmstädter eingerechnet. Das operative Ergebnis ist noch
stärker gewachsen und liegt nach Angaben des Unternehmens
deutlich über den Erwartungen.

Quartalsergebnisse
– Commerce One steigerte seinen Umsatz gegenüber dem ersten
Geschäftsquartal im Vorjahr um 386 Prozent auf 170 Millionen
Dollar. Der Verlust in diesem Zeitraum betrug inklusive
Sonderabschreibungen 229 Millionen Dollar, verglichen mit einem
Minus von 44 Millionen Dollar im Vorjahr.

– Um 91 Prozent auf 357 Millionen Dollar stieg der Umsatz von i2
Technologies. Nach einem Gewinn von zwölf Millionen Dollar im
Vorjahresquartal musste das Unternehmen nun auch wegen
akquisitionsbedingter Abschreibungen einen Verlust in Höhe von
774 Millionen Dollar ausweisen.

– SAP erhöhte die Einnahmen in den ersten drei Monaten des
Jahres um 29 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Der Nettoertrag stieg
um 109 Prozent auf 117 Millionen Euro.

– Mit 589 Millionen Dollar nahm Siebel 84 Prozent mehr ein als
im Vergleichsquartal des Vorjahres. Beim Gewinn konnte das
Unternehmen um 118 Prozent auf 77 Millionen Dollar zulegen.

-Ariba erzielte mit 90,7 Millionen Dollar 126 Prozent mehr als
im vergleichbaren zweiten Fiskalquartal des Vorjahres. Kostspielige
Übernahmen führten jedoch zu einem Nettoverlust von 1,84
Milliarden Dollar.