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Von Michael Kurzidim

24.07.2013- Den Schweizer Software-Entwicklern geht es gut. Ihr Umsatz wuchs im zweiten Halbjahr 2012 um durchschnittlich 9 Prozent. Die Mehrheit der Schweizer Programmierer arbeitet auf grund­-solidem Terrain: 46 Prozent produzieren CRM-Software, 38 Prozent entwickeln im ERP-Software-Umfeld und etwa 30 Prozent pro­gram­mieren Business-Intelligence- und Data-Warehouse-Lösungen (SSII: Swiss Software Industry Index 2013/1). Mit diesem Fokus wird ihnen auch in Zukunft die geldwerte Arbeit nicht ausgehen.

Trotzdem beginnt sich der Schweizer Software-Markt zu verändern. Trends wie Cloud, Mobility, Big Data und In-Memory halten Einzug in Schweizer Unternehmen. Sie werden in den kommenden Jahren die Produktion von und das Geschäft mit Software nachhaltig verändern. Beispiel Mobility: Knapp die Hälfte der Schweizer Software-Entwickler hat bis Ende 2012 zumindest für ein Betriebssystem – bevorzugt Apple iOS – eine mobile App entwickelt und zwei Drittel wollen das bis Ende 2015 tun (vgl. SSII). Jeder zweite App-Entwickler betreibt sein Geschäft jedoch zurzeit noch unrentabel, zahlt also drauf. Erst jeder Fünfte verdient schon gutes Geld damit.

Software-Trend: Mobile Apps

«Business-Apps wie CRM, BI und ERP verschieben sich in die Cloud» Nicolas Durville, CIO & Executive Director Software Engineering, Zühlke

App-Entwicklung ist heute noch ein hartes Brot. Stephan Wiesner, Head of Testing bei SwissQ Consulting, sieht die Branche jedoch im Aufwind. «Sicher, die Projekte im CRM- und ERP-Umfeld sind umfangreicher und daher für grosse Firmen wie Capgemini, Netcetera oder Zühlke attraktiver», sagt Wiesner. Aber auch mit App-Entwicklung könne man heute schon profitabel wirtschaften. Viele sehr kleine Schweizer Firmen sind auf diesem Markt unterwegs. «Ich kenne ein paar Zahlen und habe eine Vorstellung davon, was zum Beispiel die Apps der Migros oder der PostFinance gekostet haben», deutet Wiesner an. Zwar kaufe niemand einen Liter Milch mehr ein und wechsle auch nicht die Bank, nur weil er eine App des Unternehmens auf seinem Smartphone installiert habe. Apps seien inzwischen jedoch ein Hygienefaktor, der wichtig fürs Image sei, obwohl kein direkter Profit damit generiert werde.Die Entwicklung mobiler Applikationen unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von der klassischer Desktop-Anwendungen. Performance etwa wird von mobilen Anwendern viel kritischer beurteilt: Knapp 60 Prozent sind nicht bereit, länger als zwei Sekunden nach Touch-Klick auf den Start ihrer App zu warten, wie eine weltweite Studie mit 3534 Teilnehmern ergab (vgl. Mobile Apps: What Consumers really need and want). Das spricht gegen den Einsatz von Cross-Plattform-Entwicklungsumgebungen wie PhoneGap und für native Apps in Objective-C (Apple) oder Java (Android). Die zunehmende Marktdurchdringung von Mehrkernprozessoren auf Mobilgeräten wird das Performance-Problem jedoch entschärfen. Schmerzlicher als hohe Latenzzeiten stört jedoch, dass kleinere App-Entwicklerfirmen anscheinend das Software-Testing und die Qualitätskontrolle vernachlässigen. Immerhin 62 Prozent der App-Anwender hatte laut der selben Studie bereits mit Fehlermeldungen oder einem Totalausfall bzw. Crash zu kämpfen. Demgegenüber kritisierten «nur» 47 Prozent zu lange Wartezeiten.

App-Entwicklung muss professioneller werden, lautet die Schlussfolgerung daraus. Viele Entwickler stecken hier – wohl auch aus Geld- und Personalmangel – noch in der Amateurphase. Im Gegensatz dazu ist der Cloud-Computing-Markt mittlerweile gereift. Mit Business-Applikationen für die Cloud werden sich Schweizer Software-Akrobaten in Zukunft also verstärkt auseinandersetzen müssen, denn ihr Kerngeschäft wandert in die Wolke. «Business-Applikationen wie CRM, ERP und BI sind weiterhin stark gefragt, diese Themen sind bei unseren Kunden besonders präsent», berichtet Nicolas Durville, CIO und Executive Director Software Engineering bei Zühlke. Zwar sei die Nachfrage abhängig von der Branche, in der sich der Kunde bewegt. Zurzeit boomt Versicherungs-IT. Generell aber beobachtet Durville eine starke Verschiebung von Business-Applikationen wie CRM, ERP und BI in Richtung Cloud.

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