Seite wählen

Interview – Michael Zettel, Accenture & Christiane Noll, Avanade

Avanade kennt sich so gut mit Microsofts Produkten aus, dass die Redmonder manchmal sogar selbst anklopfen und sich Unterstützung holen. Das kommt nicht von ungefähr, ist das Unternehmen doch ein Joint Venture von Accenture und Microsoft. Wir haben mit dem österreichischen Accenture-Chef Michael Zettel und der Österreich-Chefin von Avanade, Christiane Noll, gesprochen – auch über Spaß, einen der laut Noll meistunterschätzten Erfolgsfaktoren. Das hat Spaß gemacht.

Avanade ist ein im Jahr 2000 gegründetes Joint Venture von Microsoft und Accenture. Ursprünglich gehörte es zu 51 Prozent Accenture und zu 49 Prozent Microsoft, seit 2007 hält Accenture 95 Prozent der Anteile. Die österreichische Dependance ist im Juni 2015 aus der KCS.net Solutions GmbH entstanden, einer KCS.net-Tochter. KCS.net, ein großer Microsoft Dynamics Partner im DACH-Raum, und seine Tochtergesellschaften wurden im April 2015 übernommen.

Seit 1. Oktober 2016 steht in Österreich Christiane Noll an der Spitze des Unternehmens. Sie war zuvor Mitglied der Geschäftsführung von Microsoft Österreich, wo sie insgesamt sechs Jahre in führenden Positionen tätig war. Davor hat sie unter anderem das international agierende Software-Unternehmen update AG mit aufgebaut.

Michael Zettel sitzt seit Juni 2016 als Country Manager auf dem österreichischen Chefsessel von Accenture. Mit Unterbrechungen, unter anderem lebte und arbeitete er auch eineinhalb Jahre in Los Angeles, ist er seit 2001 bei dem Beratungs- und Technologiedienstleister.

Wir haben mit dem gemischten IT-Doppel über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Joint Ventures gesprochen, aber auch darüber, wie das Dreigestirn aus Accenture, Avanade und Microsoft seinen Kunden auf der Digitalisierungs-Reise unter die Arme greift.

Als das Unternehmen 2000 gegründet wurde war der Begriff Digitalisierung noch nicht in der Form geläufig wie heute. Damals, rund um das Platzen der Dotcom-Blase ging es hauptsächlich um das Internet. Was war die ursprüngliche Aufgabe des Joint Ventures? Die Pressemitteilung zur Gründung liest sich ein bisschen wie eine Werbeveranstaltung für Windows 2000.

Christiane Noll: Die Kernidee war, zwei Welten zu vereinen: Die Welt der Strategie und die von Microsoft, die im Jahr 2000 noch sehr produktorientiert war – was sich mittlerweile geändert hat. Das Ziel war, die Strategie auf den Boden zu bringen und dadurch Mehrwert zu erzeugen. Dafür haben sich einige Leute von Microsoft, Accenture und dem freien Markt zusammengeschlossen, um für die Kunden aus den Produkten von Microsoft einen Mehrwert zu schaffen, und zwar schnell.

Michael Zettel: Der zweite Aspekt war, dass Microsoft damals in den Großunternehmen nicht stark im Kerngeschäft vertreten war, eher im Office-Bereich und auf der Betriebssystemebene. Da hat sich die Kombination mit Accenture, die stark aus dem Kerngeschäft des Kunden kommen, angeboten.

Noll: Auch das bessere Verstehen des Kunden und seiner Bedürfnisse zählte dazu.

Herr Zettel, sie kamen ja ein knappes Jahr nach der Gründung des Joint Ventures bei Accenture in Österreich an Bord. War diese Partnerschaft damals in Österreich ein Thema?

Zettel: Es war schon ein großes Thema für uns. Traditionell haben wir viele Partnerschaften mit Technologie-Anbietern. Aber wir sind prinzipiell ein technologieunabhängiger Dienstleister. Deswegen war das von Anfang an etwas Besonderes, denn es ist immer noch unser einziges Joint Venture mit einem Technologieunternehmen.

Man liest, zu Beginn waren Avanades Kunden hauptsächlich große Microsoft-User aus dem Enterprise-Bereich, die quasi aus Redmond zu Ihnen „weitergeleitet“ wurden. Seit 2014 versucht Avanade aus dem Schatten seiner „Eltern“ zu treten, sehe ich das richtig?

Noll: Über die Zeit vor 2014 kann ich nicht viel sagen. Heute versuchen wir, den Mehrwert bei den Kunden zu positionieren und ihnen zu helfen, in die digitale Welt zu kommen. Aus dem Schatten von Microsoft heraustreten? Ich weiß nicht. Das ist die Kerntechnologie, auf die wir aufsetzen. Wichtig ist, die Selbständigkeit zu sehen und mit den Kunden zusammenzuarbeiten. Wir kooperieren natürlich eng mit Microsoft, was auch Sinn macht. Wir haben sehr viel Microsoft-Know-how. Das hilft unseren Kunden, weil wir einen anderen Blick darauf haben als der Produkthersteller. Das schätzen sie sehr. Wir haben eine gute Vertrauensbasis.

Zettel: Alle drei Seiten ergänzen sich gut: Microsoft hat jemanden gewonnen, der seine Technologie beim Kunden richtig einsetzt und Accenture hat mit Avanade einen auf Microsoft spezialisierten Dienstleister. So können wir als Accenture gegenüber unseren Kunden unsere Unabhängigkeit glaubwürdig vertreten.

Wer sind Ihre Kunden heute – verglichen mit den Anfangsjahren?

Noll: Da gibt es keinen Unterschied. Wir konzentrieren uns vielleicht noch mehr auf den Enterprise-Markt und gehen nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe. Microsoft hat sich anders aufgestellt: Es gibt viel mehr als Office. Auch durch Microsofts Cloud-Strategie gibt es heute viel mehr Themen, auf die wir aufsetzen. Das Portfolio ist wahnsinnig breit und inhaltlich tiefer, weil sich die Produktpalette verändert hat. Dadurch können wir viel stärker den Kunden adressieren, ihn an die Hand nehmen und die Themen durchgehen. Wir hören nirgendwo auf. Weil das Werkzeug dafür da ist.

Wie können Sie Ihren Kunden konkret helfen?

Noll: Das hängt vom Kunden ab. Das Kernthema, was uns ausmacht und den Unterschied macht, ist, dass wir den Kunden und seine Prozesse verstehen wollen. Wie können wir ihm helfen den Schritt zu machen und zu verstehen, was Digitalisierung für ihn bedeutet? Nicht nur die technische Implementierung, sondern vor allem das Begleiten bei der Prozessveränderung. Da arbeiten wir eng mit Accenture zusammen, um den Kunden über die beratende Schiene besser zu unterstützen.

Zettel: Um es an Beispielen greifbar zu machen: Zusammen mit Microsoft und Avanade setzen wir für einen Kunden in Österreich bei der Digitalisierung nach außen Artificial Intelligence für eine Recommendation Engine in einem Webshop um. In einem anderen Fall ermöglichen wir einem Unternehmen die 360-Grad-Sicht auf seine Kunden – früher hat man das CRM genannt. Ein weiteres Beispiel ist die Digitalisierung nach innen bei einer großen österreichischen Versicherung. Mittels Workflow-Steuerung für die Mitarbeiter werden da Geschäftsprozesse perfekt in den Arbeitsplatz integriert, sodass viel effizienter gearbeitet werden kann als früher.

weiterlesen http://www.monitor.at/index.cfm/storyid/17152_Interview_-_Michael_Zettel_Accenture__Christiane_Noll_Avanade-Microsofts__Accentures_Geheimwaffe_Avanade