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Microsoft will seine Produktpalette ab
kommendem Jahr auf Unternehmens-Software ausweiten. Damit tritt das
Unternehmen gegen etablierte Konzerne wie SAP und Oracle
an.

Erstes Angebot in diesem Segment ist eine Software zur
firmeninternen Verwaltung von Kundenkarteien, im Fachjargon
‚Customer Relationship Management‘ (CRM) genannt. ‚Das ist ein
großer, unerschlossener Markt. In den USA haben nur 10
Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen eine spezielle
Software für diesen Bereich‘, sagte Holly Holt,
CRM-Produktmanagerin bei Microsoft. ‚Wir werden mit unserem
Programm vor allem selbstgestrickte Systeme ablösen,
Kundenkarteien, die im Tabellenkalkulationsprogramm Excel oder im
E-Mail-Programm Outlook gepflegt werden‘. ‚Microsoft CRM‘, so der
Name des Produktes, soll sich für Unternehmen zwischen 25 und
500 Mitarbeitern eignen und das erste Programm sein, das auf
Microsofts derzeit noch unfertigem Internet-Betriebssystem Dotnet
aufbaut.

Die Ankündigung hat derzeit daher lediglich strategische
Signalwirkung. Nachdem Microsoft im Herbst 2000 den Spezialanbieter
Great Plains gekauft hatte, war erwartet worden, dass der
Marktführer bei PC-Software versucht, auch in die Märkte
für Unternehmenssoftware vorzudringen.

Perspektiven von CRM umstritten
CRM gilt in der Softwarebranche noch immer als Wachstumssparte,
obwohl der Markt nach einer Untersuchung des
US-Marktforschugnsunternehemens Gartner Group im vergangenen Jahr
geschrumpft ist und 2002 stagnieren soll. Wenn die Wirtschaft
insgesamt nicht wächst, sei es wichtig, die bestehende
Kundenbasis kosteneffizient besser zu pflegen, anstatt neue Kunden
zu aquirieren, argumentieren die Hersteller von CRM-Software. Die
Gartner Group wiederum rechnet vor, dass derzeit etwa 65 Prozent
aller CRM-Projekte scheitern (gemessen an der versprochenen
Amortisierung der eingesetzten Mittel), und dass dieser Anteil in
Zukunft noch steigen wird.

Micrsoft tritt auf diesem Markt gegen etablierte Konzerne wie
die auf Großunternehmen spezialisierten Siebel, SAP und
Oracle an, sowie gegen Spezialanbieter für kleinere Firmen wie
Pivotal und Onyx. Insgesamt tummeln sich über 100
Softwarefirmen auf diesem Markt, auch Microsoft selbst vertreibt
bereits CRM-Angebote, unter anderem zusammen mit Siebel. Es
gäbe jedoch wenig Überschneidungen, weil sich das neue
Programm vor allem an kleine Unternehmen bis 500 Mitarbeitern
richtet, sagte Produktmanagerin Holt. Langfristig, so spekuliert
eine am Dienstag veröffentlichte Analyse der US-Investmentbank
SG Cowen, könnte sich Microsoft allerdings in den Markt
für mittelgroße Unternehmen vorarbeiten und dadurch den
Umsatz von Siebel, SAP und anderen bedrohen.

Netz von Vertriebsfirmen im Aufbau
Um in das neue Marktsegment vorzudringen, muss Microsoft eine neue
Vertriebsstruktur aufbauen. Anders als die Hauptprodukte Windows
oder Office wird Unternehmenssoftware mit Hilfe von Programmierern
an die Gegebenheiten des Kunden angepasst werden, eine Arbeit, die
von einem Netz von Vertriebfirmen erledigt werden muss.

Derzeit befindet sich der Aufbau dieses Netzes in Deutschland
noch im Aufbau, sagte Thilo Roetger, Geschäftsführer von
Microsoft Great Plains in Deutschland. Von den bestehenden
Microsoft-Vertriebspartnern hätten bereits sechs oder sieben
Interesse daran geäußert, ebenfalls Microsoft CRM zu
verkaufen. Nach Auskunft von Produktmanagerin Holt ist es auch
denkbar, dass bestehende Microsoft-Vertriebspartner die neue
Software im Bündel mit anderen Microsoft-Produkten
verkaufen.

Nicht alle Microsoft-Geschäftspartner sind daher
glücklich über das neue Angebot – sie fürchten, aus
dem Markt gedrängt zu werden. Einer der führenden
deutschsprachigen CRM-Anbieter, dessen selbst entwickelte
CRM-Software in derzeit etwa 400 Projekten läuft, macht sich
über die neue Konkurrenz Sorgen. ‚Microsoft geht mit seinen
Partnern nicht sehr partnerschaftlich um‘, heißt es aus dem
Unternehmen. ‚Wir fürchten, das unser über Jahre
erarbeitetes Know-How verloren geht.‘ Dennoch werde man die eigene
Software auf Microsofts neuem Internet-Betriebssystem Dotnet
weiterentwickeln.

Quelle: Financial Times Deutschland