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Nach Meinung von US-Analysten geht der
Navision-Kauf in eine ähnliche Richtung. Microsoft wolle sich
im Mittelstands- und Speziallösungsbereich, vor allem bei
speziellen Business-Anwendungen wie CRM, ERP und SCM, stärker
engagieren. Das sei mit Great Plains begonnen worden, aber der
kleinere Hersteller verfüge nicht über europäische
Marktpräsenz. Diese Scharte soll nun Navision auswetzen, sagte
John McPeake, Analyst bei Prudential Securities, gegenüber der
Financial Times.

War der Einkauf von Mittelstands-Expertise vergangenes Jahr aber
noch ein vergleichsweise vorsichtiger Wurf in Richtung des
Geschäftsanwendungs-Riesen SAP, so dürfte sich die
ehemalige Freundschaft zwischen den Giganten nun in einen
handfesten Streit verwandeln.

Navision gilt nämlich als Erzkonkurrent von SAP. „Wenn
Microsoft Navision kauft, ist für SAP die Zeit der Ruhe
vorbei“, erklärte Helmut Gümbel, Analyst bei Strategy
Partners und langjähriger Industriekenner gegenüber der
Financial Times. Schließlich sei der dänische Hersteller
seit langem im Mittelstandssektor „ein Angstgegner“ der SAP.

Microsoft erwirbt neben dem dringend benötigten Know-How
des Spezialisten auch an die 60 000 Kunden weltweit. Außerdem
hat das Redmonder Unternehmen mit diesem Zukauf einen weiteren
konsequenten Schritt in Richtung höherer Margen getan.

Der Mittelstand, das sind nach Definition der EU-Kommission vor
allem Unternehmen mit 50 bis 1000 Mitarbeitern, gilt
schließlich seit eineinhalb Jahren als Wachstumsmotor.
Großunternehmen sind längst einerseits mit SAPs R/3 und
andererseits mit der Microsoft-Plattform ausgerüstet. Im
Mittelstand dagegen sind noch richtig urwüchsige heterogene
Umgebungen zu konsolidieren. Hier wollen die zwei Großen
künftig dasselbe Software-Feld beackern.

Quelle:silicon.de