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„Wir wollen eine digitale Genossenschaft sein, die die Bedürfnisse ihrer Landwirte kennt und sich danach ausrichtet“, erläutert Christoph Kempkes die Strategie der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main (RWZ). Der alleinige Verkauf von Betriebsmitteln reiche zukünftig nicht mehr aus. Gute Beratung werde immer mehr zu einem Schlüssel-Erfolgsfaktor im Agrarhandel, ist der RWZ-Chef überzeugt.

Von der Digitalisierung müssten aber beide Seiten profitieren – der Handel und die Landwirtschaft. „Viele Landwirte sind sich noch nicht ganz sicher sind, ob die Digitalisierung Fluch oder Segen ist. Letztlich werden sich aber die Anwendungen durchsetzen, die die Arbeit der Landwirte erleichtern bzw. die Produktion effizienter machen“, ist Kempkes sicher.

Im Interview mit top agrar online warnt der RWZ-Vorstandsvorsitzende davor, das Thema Datenschutz zu überhöhen: „Datenschutz ist wichtig und die Daten gehören natürlich den Landwirten. Sie müssen diese aber mit uns teilen, sonst können wir nichts daraus machen. Das werden die Bauern auch tun, weil sie uns vertrauen.“

Wo liegen die größten Chancen und Potenziale der Digitalisierung für den Agrarhandel?

Kempkes: Im Idealfall wird der Landwirt seinen Betrieb effizienter und Ressourcen-schonender zu führen – im Büro, auf dem Acker und im Stall. Transaktionen zwischen Kunden und Zulieferern können einfacher, billiger und auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten möglich werden. Die Transparenz über das Marktgeschehen und der Radius für Geschäftsbeziehungen werden steigen. Das alles ist noch ein langer Weg. Man muss wollen, können und erst mal die notwendigen Ressourcen aufbringen.

In welchen Bereichen bringt die Digitalisierung Ihrem Unternehmen schon heute konkrete finanzielle und andere Vorteile?

Kempkes: Wir steuern bereits unsere Verkaufsaktivitäten über ein CRM-System (Anm. der Red.: CRM steht für Customer-Relationship-Management, d.h. Kundenbeziehungsmanagement, und bezeichnet eine Strategie zur systematischen Gestaltung aller Beziehungen und Interaktionen Ihres Unternehmens mit bestehenden und potenziellen Kunden.). Bei der Digitalisierung interner Prozesse machen wir gute Fortschritte. Bei der Konzipierung eines Portals zur Verbesserung der Kundenbeziehungen sind wir noch am Anfang.

An welchen digitalen Fragestellungen und Themen arbeiten Sie konkret?

Kempkes: Uns leitet die Vision einer „digitalen Genossenschaft“ im Verbund mit andren Partnerunternehmen. Wir werden hier genau nachfragen und hinhören, was der Landwirt wirklich braucht und nicht zu schnell zu viel machen. Kunden und Mitarbeiter müssen mitgehen wollen. Digitalisierung hat viel mit Führung zu tun.

Digitalisierung ist ein weites Feld: In welchen Bereichen der Digitalisierung investiert die RWZ vor allem?

Kempkes: Grundsätzlich wollen wir das Rad nicht neu erfinden, sondern schauen, was es bereits gibt und wo wir uns da sinnvollerweise anhängen können. „Smart Farming“-Lösungen bieten wir deshalb mit unserem Partner FarmFacts an. An einem Kundenportal arbeiten wir mit Partner-Genossenschaften. Wir werden unser CRM schärfen und klüger nutzen. Interne Prozesse wollen wir mit digitaler Technologie beschleunigen und vereinfachen, zum Beispiel im Bereich der Personaladministration und Rechnungslegung.

Autor: Dr. Ludger Schulze Pals

Quelle: Topagrar.com – Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Kempkes-Unsere-Vision-ist-die-digitale-Genossenschaft-8960517.html