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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE vom 26.07.2000) – Die
britische Ingenieursfirma Invensys hat bis zum Ablauf der bis
gestern Nachmittag verlängerten Angebotsfrist erst 75 Prozent
der Baan-Aktien erwerben können. Dies teilte das Unternehmen
laut „Dow Jones Newswires“ heute mit.
Auch wenn die ursprünglich angepeilten 95 Prozent damit
verfehlt wurden, hat sich das britische Unternehmen nach eigenen
Angaben mit dem Baan-Management geeinigt und übernimmt die
Kontrolle der angeschlagenen Company. Statt der 95 Prozent will man
sich bereits mit 50 Prozent der Baan-Anteile plus einer Aktie
zufrieden geben. Dessen ungeachtet wurde die Angebotsfrist ein
zweites Mal verlängert, und zwar bis zum 1. August.

Invensys´ Chief Executive Officer (CEO) Alan Yurko
erklärte, Baans gegenwärtige Lage erfordere
„entschiedenes und rasches Handeln.“ Invensys habe auch über
eine Rücknahme seines Angebots nachgedacht, so Yurko. Man sei
jedoch zu der Überzeugung gelangt, dass „der Deal im besten
Interesse der Invensys-Aktionäre ist, wenn es gelingt, Baans
Geschäft voll in unseren neuen Bereich Systems and Software zu
integrieren“.

Invensys wird ein Programm zur Rettung von Baan aufsetzen, das
unter anderem die Übernahme aller Aktiva und Verbindlichkeiten
beinhaltet. Im Zuge der Transaktion soll die Holding Baan Co. NV
effektiv liquidiert werden. Dies könne bis zu einem Jahr
dauern und werde keine Auswirkungen auf Geschäft, Kunden und
Mitarbeiter von Baan haben, erklärte Invensys. Vorstand und
Aufsichtsrat von Baan sollen vorerst im Amt bleiben. Im Zuge der
Eingliederungen in Invensys sei aber in diesem Bereich mit
personellen Veränderungen zu rechnen. Insgesamt rechnet Yurko
bei der Zusammenlegung von Baan Invensys mit rund 1000
Entlassungen, und zwar auf beiden Seiten.

Die Zustimung zu ihrem Vorhaben wollen sich die Briten auf einer
außerordentlichen Hauptversammlung holen, die Mitte August
stattfindet. Darüber hinaus will Invensys die nötigen
Mittel bereitstellen, um die „näherfristige Zukunft von Baan
zu sichern.“ Der Handel mit den Baan-Papieren an der Amsterdamer
Börse wurde bis auf weiteres ausgesetzt. Zuvor notierte das
Papier mit 2,67 Euro.