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Mit Cognos will IBM einen der
größten verbliebenen Anbieter von Software für
Business Intelligence schlucken, um das eigene Angebot für das
Daten-Management zu komplettieren. Der Deal gibt Sinn – doch IBM
wird jetzt nach Jahren der Abstinenz wieder zum Anbieter von
Anwendungen und damit zum Gegner von Oracle und SAP.

Rund 58 Dollar pro Aktie hat IBM den Anlegern von Cognos
geboten. Dies entspricht einem Übernahmeangebot von rund
fünf Milliarden Dollar. Laut Steve Mills, Senior Vice
President der IBM Software Group, würden die Produkte von
Cognos, die neben Werzeugen für Reporting und Analyse von
Geschäftsdaten auch Programme für Planung, Budgetierung
und Forecasting umfassen, gut zum Angebot der IBM passen. Big Blue
hatte sich in diesem Markt bislang auf Produkte für das
Daten-Management und die Datenintegration konzentriert,
während man bei der Auswertung und Verteilung von Daten auf
Partner wie Cognos setzte. Durch die Kombination der Produkte
beider Anbieter könnte IBM künftig alles aus einer Hand
liefern – was laut Mills von Kunden zusehends gewünscht
wird. Rob Ashe, President und Chief Executive Officer (CEO) von
Cognos, bezeichnete das Angebot als eine gute Nachricht für
Kunden, Partner und Mitarbeiter. Es gebe kaum Überschneidungen
zwischen den Produkten, jedoch viele Synergien. Man könne
Kunden künftig umfassender betreuen und neue Lösungen
für Business Intelligence und Information Management auf den
Markt bringen.

Übernahme lag in der Luft

In ersten Reaktionen begrüßten Marktkenner die
Ankündigung. „Na endlich“, kommentiert IDC-Analyst
Rüdiger Spies. Cognos hatte seit langem im Mittelpunkt von
Übernahmespekulationen gestanden, die nach dem Kauf des
ärgsten Konkurrenten Business Objects durch die SAP neuerlich
geschürt worden waren. Für Spies war Cognos zwar durchaus
auch allein überlebensfähig, doch hatte der attraktive
Markt für Business Intelligence in der letzten Monaten
große Hersteller wie Oracle, SAP und nun IBM angelockt. „Der
Deal kommt nicht unerwartet, weil zurzeit der ganze BI-Markt
aufgekauft wird“, spitzt Andreas Bitterer, Vice President Research
und BI-Experte des Analystenhauses Gartner, die Entwicklung zu.

Bitterer und Spies erwarten, dass die Kombination der
BI-Produkte von Cognos mit denen für das Daten-Management von
IBM keine größeren Probleme verursachen sollte: Beide
Unternehmen waren seit längerem enge Partner gewesen, wobei
IBM den Aufbau von Data Warehouses und die Datenintegration
übernahm, während Cognos mit seinen Berichts- und
Analyse-Clients das Frontend bediente. „Nur bei der
Datenintegration gibt es leichte Überschneidungen, doch war
Cognos auf diesem Gebiet bisher schwach aufgestellt“, sagte
Bitterer. Allerdings hatte IBM bis dato nicht nur auf Cognos
gesetzt, sondern auch mit anderen BI-Herstellern kooperiert.
„Vielleicht auch um zu testen, mit wem man am besten
zusammenarbeiten kann“, vermutet Spies. Laut Bitterer scheint der
Deal dennoch nicht von langer Hand eingefädelt, da Cognos noch
vor kurzem die Integration von weiteren Produkten des Anbieters
Informatica verkündet hatte, der mit Software für die
Datenintegration mit IBM konkurriert.

IBM wird wieder Anwendungen verkaufen

Aus strategischer Sicht wird der Deal erhebliche
Veränderungen für IBM haben. So hatte Big Blue jahrelang
rigoros eine Rückkehr in den Markt für Anwendungen
abgelehnt und stets betont, ein Infrastrukturanbieter bleiben zu
wollen. Noch in letzter Zeit hatte IBM stattdessen den Begriff
„Asset-based Solutions“ bevorzugt. Doch mit dem Kauf von Cognos ist
IBM laut Spies endgültig ins Applikationsgeschäft
zurückgehrt: „Mit den BI-Produkten kauft IBM keine Middleware,
sondern geht ins Enduser-Geschäft.“ Zudem schüre der
Cognos-Kauf die Konkurrenz zu Oracle und SAP, Gartner-Analyst
Bitterer sieht hier sogar einen „totalen Konfrontationskurs“, den
IBM einschlägt. Bisher hatte sich IBM mit diesen Herstellern
vertragen, man hatte sogar voneinander profitiert. Das sei nun
vorbei: IBM konkurriere nun offen mit SAP, und dass nicht nur wie
bisher bei der Middleware (SAP Netweaver versus IBM Websphere),
sondern künftig auch bei Business Intelligence und Software
zur Unternehmenssteuerung (Corporate Performance Management).
Cognos war seit langem Partner der Walldorfer gewesen und hatte
sich für SAP-Produkte wie Netweaver BI zertifizieren lassen.
Nun konkurrieren diese BI-Produkte unmittelbar mit denen von
Business Objects. Oracle wird durch den sich abzeichnenden Deal
weiter isoliert, glaubt Spies. So stehe Oracle nun nicht mehr nur
mit der Datenbank und „Fusion“-Middleware sondern ebenfalls nach
dem Kauf von Hyperion und Siebel Systems bei BI mit IBM im
Wettbewerb.

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