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Karlsruhe den 27.11.2003

CRM-Anbieter auf Lotus-Notes-Basis vom Aussterben
bedroht?

Ein intimer Kenner von Lotus Notes und Premium Partner des
einstigen IBM-Zugpferds meinte, um die Anforderungen von CRM zu
erfüllen, würde man nicht Lotus Notes erfinden. In der
Tat halten sich die Lotus-Notes-Anbieter im Markt der
CRM-Standardlösungen spürbar zurück. Auf dem
CRM-Branchen-Event des Jahres, der crm-expo Mitte November in
Köln, kamen von den insgesamt 130 Ausstellern lediglich zwei
CRM-Anbieter aus dem Notes-Lager. Einer davon, Team4, etablierter
Lotus-Notes-Anbieter, machte allerdings in letzter Zeit mehrfach
als SAP-, Siebel- und Microsoft-Partner auf sich aufmerksam. Der
zweite, TJ Group, hält dem email- und
Dokumentenmanagement-System weiter uneingeschränkt die Treue.
Insgesamt dürfte sich der Kreis der Lotus-Notes-basierten
CRM-Systeme im deutschsprachigen Markt bei rund zwanzig bewegen,
Tendenz fallend. Davon unbenommen gibt es eine Reihe von
Lotus-Notes-Systemhäusern, die über
Individualentwicklungen CRM-Funktionalitäten abbilden.

Der Grund, warum sich Unternehmen trotz der fehlenden
relationalen Datenbanktechnologie für eine CRM-Lösung
unter Lotus Notes entscheiden, liegt daran, dass sie bereits, oft
seit Jahren, die IBM Lotus-Infrastruktur für die Kommunikation
und den email-Verkehr nutzen. Damit sparen sie beim
Einführungs- und Schulungsaufwand und erhöhen die
Akzeptanz der Anwender.

In der Tat gibt es aber seit rund zwei Jahren im Hause IBM mit
Websphere Konkurrenz für Lotus Notes und man stellt sich die
Frage nach der Zukunftsfähigkeit von Lotus Notes. Immerhin
gibt es weltweit rund 85 Millionen Lotus-Notes-Anwender. Allerdings
bleibt dem aufmerksamen Beobachter nicht verborgen, dass IBM das
Produkt WebSphere stärker forciert als den älteren
Bruder. Websphere Middleware unterstützt Unternehmen dabei,
eine stabile IT-Infrastruktur einzurichten, ihre
Geschäftsprozesse ganzheitlich zu integrieren und diese ins
Web zu verlagern, und zwar mit einem klaren Bekenntnis zu offenen
Standards und zu Java.

Und hier liegen die Unterschiede zu Lotus Notes:
Proprietäre Datenhaltung, fehlender Relationalität,
eingeschränkte Webfähigkeit. Ein Trost für
Lotus-Notes-Fans: Immerhin ist bereits die Roadmap für die
künftigen Versionen 8 und 9 von Lotus Notes ausgearbeitet und
derzeit steht man bei Version 6.5. Außerdem spricht der
immense Preisvorteil gegenüber Websphere für Lotus Notes.
IBM aber sieht keine Wettbewerbssituation, sondern Synergieeffekte:
‚Lotus stellt in diesem Umfeld Funktionen zur Verfügung, die
sich im Rahmen eines WebSphere-Portals integrieren lassen‘, meint
Wilhelm Neuhäuser, Leiter des Entwicklungsbereichs WebSphere
Solutions & Services bei IBM.

Welche Zukunft hat Lotus-Notes im CRM-Markt?
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Wolfgang Schwetz
schwetz consulting