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Das polnische Software- und Systemhaus Comarch
aus Krakau erwirbt die Mehrheit am Münchner
Business-Software-Anbieter SoftM. Comarch-Chef Janusz Filipaik
damit ins internationale Geschäft mit ERP-Lösungen
für mittelständische Unternehmen einsteigen.

Bisher agiert Comarch vor allem in Polen und Osteuropa. Mit dem
Kauf von SoftM will sich das Unternehmen einerseits Deutschland und
andere Märkte erschließen, andererseits das
Produktangebot verbreitern. Comarch entwickelt im Kundenauftrag
Software für unterschiedliche Branchen, agiert als Systemhaus
und vermarktet Standardsoftware für die Bereiche ERP,
Business-Intelligence und Dokumenten-Management. Die
Business-Applikationen richten sich vor allem an kleine Firmen mit
bis zu 50 Mitarbeitern. Des Weiteren betreibt die polnische Firma
Rechenzentren für Outsourcing-Kunden.

Comarch beschäftigt 3000 Mitarbeiter an 23 Standorten und
ist in elf Ländern vertreten. Das letzte Geschäftsjahr
schloss die Firma mit einem Umsatz von rund 154 Millionen Euro ab.
Bei SoftM sind es 400 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 59,4
Millionen Euro (Geschäftsjahr 2007), davon entfielen gut 19
Millionen Euro auf Software. Ein Jahr zuvor waren es noch 83
Millionen Euro wegen eines Rückgangs im
Systemintegrationsgeschäft. In den ersten beiden Quartalen
dieses Jahres konnte SoftM zwar den Softwareumsatz steigern, der
Konzernumsatz sackte jedoch ab.

SoftM war schon länger auf der Suche nach einem Partner, um
die Softwareprodukte schneller weiterzuentwickeln und auch
außerhalb Deutschlands an den Mann zu bringen. Erst
kurzfristig kam es zu Gesprächen mit Comarch. Die
Zusammenarbeit wird sowohl betriebswirtschaftliche Standardsoftware
als auch das Systemgeschäft mit IT-Infrastruktur umfassen.
Wettbewerb für SAP, Microsoft und Sage?

SoftM bedient schwerpunktmäßig mittelständische
Firmen. Neben Produkten für die System-i-Plattform (AS/400)
von IBM wie der SoftM Suite spielen dabei die Java-basierenden
Produkte „Semiramis“ (ERP) und „Sharknex“ (Rechnungswesen) die
Hauptrolle. Bisher ist SoftM auf dem osteuropäischen Markt
kaum vertreten. Über die bestehenden Vertriebskanäle und
die des neuen Eigentümers sollen Semiramis und Sharknex nun
auch überregional vermarktet werden.

Comarch-CEO Janusz Filipaik will SoftM als eigenständige
Konzerntochter unter dem bisherigen Management weiterführen.
Comarch-CEO Janusz Filipaik will SoftM als eigenständige
Konzerntochter unter dem bisherigen Management
weiterführen.

Aus beiden Unternehmen und deren Produkten soll ein Anbieter von
Geschäftssoftware entstehen. Man hat sich viel vorgenommen:
Der Hersteller will es mit Branchengrößen wie Sage, SAP
und Microsoft aufnehmen. Der gemeinsame Jahresumsatz beider
Aktiengesellschaften liegt bei 200 Millionen Euro. Auf dem
deutschen Markt steht das Unternehmen darüber hinaus mit
zahlreichen ERP-Spezialisten wie beispielsweise Abas und Proalpha
in Wettbewerb.

Autor: Frank Niemann

Weiter lesen unter:www.computerwoche.de/knowledge_center/erp/1878919/