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Glos-Ministerium praktiziert
„wirtschaftsfeindlichen Aktionismus“

Berlin/Bonn, 3. April 2008, – Die von der
Bundesregierung geplante Änderung des
Telekommunikationsgesetzes (TKG) versetzt die betroffenen
Wirtschaftsbranchen in helle Aufregung. So müsse bei einem
Wechsel des TK-Anbieters als auch bei einer Änderung der
Betreibervorauswahl (Preselection) vom neuen
Telekommunikationsanbieter in Textform nachgewiesen werden, dass
der Kunde den alten Vertrag gekündigt habe.

Die Bundesregierung wolle mit dieser Maßnahme das
unrechtmäßige Unterschieben von Verträgen
(„Slamming“) durch unseriös arbeitende Call Center
unterbinden. „Wenn das Abschließen mündlicher
Verträge generell zu einem Vabanque-Spiel für die Call
Center-Branche wird, ist eine ähnliche Massenentlassungsrunde
absehbar wie bei der Zementierung des staatlichen
Sportwettenmonopols“, befürchtet Bernhard Steimel,
Sprecher der Voice Days www.voicedays.de . Auch der Verband der
Anbieter für Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM)
www.vatm.de lehnt die schriftliche Bestätigung von
telefonisch abgeschlossenen Verträgen und Kündigungen der
bisherigen Vertragsverhältnissen ab: „Den Vorschlag der
Bundesregierung bewerten wir äußerst kritisch: Die
Möglichkeit, Verträge auch telefonisch abschließen
zu können, ist aus weiten Bereichen des Alltags nicht mehr
wegzudenken und in der Telekommunikationswirtschaft ein sehr
wichtiges und bewährtes Marketinginstrument, das täglich
von tausenden Kunden genutzt wird, die schnell und unkompliziert
Bestellungen aufgeben wollen“, erklärt
VATM-Präsident Gerd Eickers. Wenn sich
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos www.bmwi.de mit seinen
Vorschlägen durchsetze, wäre dies künftig nicht mehr
möglich.

„Das Wirtschaftsministerium sollte eigentlich Hüter
der Marktwirtschaft im Geiste Ludwig Erhards sein und kein
Arbeitsplatzvernichter. Glos produziert derzeitig einen
kurzsichtigen und höchst wirtschaftsfeindlichen Aktionismus
auf Kosten der florierenden Call Center-Branche. Vielleicht sollte
der bayerische Politiker einmal einen Blick in das Bürgerliche
Gesetzbuch werfen, statt Gesetze auf den Weg zu bringen, die gegen
die deutsche Rechtssystematik verstoßen“, moniert
Steimel gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht.

Ein bürokratisches Schriftformerfordernis verteure nach
Erkenntnissen von Eickers die Kundenakquise drastisch und
würde zu einer extremen finanziellen Belastung der betroffenen
Unternehmen führen. „Hinzu kommt, dass das
Gesetzesvorhaben nur einen kleinen Teil der Problemfälle
lösen würde und etwa die in der Öffentlichkeit und
von den Verbraucherschutzzentralen häufig beklagten
Werbeanrufe des Ex-Monopolisten unberücksichtigt
blieben“, warnt Eickers.

Der VATM schlägt als Alternative vor, statt des
schriftlichen Vertrages eine Audio-Aufzeichnung (Voice Recording)
des mündlich eingegangenen Vertrages als ausreichenden Beweis
für die Wirksamkeit eines solchen Vertrages anzuerkennen.
„Aus meiner Sicht ist das eine ganz ausgezeichnete Idee, die
von der Initiative Voice Business unterstützt wird. Moderne
Verschlüsselungstechnologien schützen die Aufzeichnungen
durch eine Signatur vor Manipulationen und machen sie so als
Original verifizierbar und gerichtsfest. Wer ohnehin alle
Gespräche aufzeichnen muss, um Abschlüsse machen zu
können, dem eröffnen sich weitere Chancen durch die
Sprachtechnologie. Man könne sie zu Analysezwecken und
für Schulungen einsetzen. Zudem ist es möglich,
systematisch die Qualität und Leistungsfähigkeit der
Agenten zu steigern. Ist die Technologie einmal im Hause vorhanden,
lassen sich weitere Anwendungslogiken mit vertretbarem Aufwand
aufsetzen – wie die Anrufvorqualifizierung und ein
nachgelagertes, automatisiertes Controlling per
Sprachdialogsystem“, sagt Steimel.

Mit dem Voice Recording-Instrument könnte man nach Meinung
des VATM die Rechtssicherheit bei Verbrauchern und Unternehmen
stärken. „Unzulässige Werbemethoden und das
Unterschieben von Verträgen werden praktisch
ausgeschlossen“, so Eickers. Die unseriösen Call Center
könne man mit dieser Maßnahme trockenlegen und den
Verbraucherschutz stärken.

Quelle: www.ne-na.de