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Kopenhagen – Der britische
Softwareanbieter Sage Group PLC will die EU-Kommission gegen die
Übernahme des dänischen Konkurrenten Navision durch
Microsoft mobilisieren. Wie Sage-Vorstandschef Paul Stobart am
Mittwoch nach einem Gespräch mit der dänischen
Monopolaufsicht in Kopenhagen erklärte, seien durch die nun
drohende Dominanz von Microsoft bei Computerprogrammen zur
Steuerung von Klein- und Mittelbetrieben erhebliche
Preissteigerungen zu erwarten.

Sage meinte in der Zeitung «Berlingske Tidende»
weiter, darauf wolle sein Unternehmen jetzt die zuständigen
Behörden in mehreren EU- Ländern sowie die Brüsseler
Kommission aufmerksam machen.

Microsoft hatte Anfang Mai die geplante Übernahme des
dänischen Softwarehauses Navision für 1,3 Milliarden
Dollar (gut 1,4 Milliarden Euro) bekannt gegeben. Konzernchef Steve
Balmer erklärte dabei, sein Unternehmen wolle damit das
Wachstumspotenzial auf dem Softwaremarkt für kleine und
mittlere Betriebe nutzen. Die britische Sage Gruppe ist nach
eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter von
betriebswirtschaftlicher Software für Personal Computer und
das Web. In Deutschland ist der Konzern durch die Sage KHK Software
GmbH & Co. KG (Frankfurt/Main) präsent.

Im Stammland Dänemark verfügt Navision über einen
Marktanteil von über 50 Prozent. Der zuständige Sprecher
der Kopenhagener Monopolaufsicht, Hans Kierkegaard, meinte nach dem
Gespräch mit der Sage-Delegation, die Zahlen und Argumente der
Briten seien «ziemlich fundiert». Da die Übernahme
von Navision durch Microsoft nach Landesrecht nicht
genehmigungspflichtig ist, will die Behörde in den kommenden
zwei Wochen eine Empfehlung für die EU-Kommission erstellen,
ob diese nach dänischer Auffassung einschreiten solle oder
nicht.

In der Kopenhagener Wirtschaftspresse wurden dem britischen
Vorstoß am Mittwoch nur äußerst geringe Chancen
zur Verhinderung der Fusion eingeräumt. Auch Stobart selbst
erklärte, man sei sich der großen Schwierigkeiten
bewusst. Er meinte weiter: «Irgend jemand muss aber gegen
Microsoft angehen». Der Sage-Chef verwies darauf, dass Klein-
und Mittelbetriebe neben dem Betriebssystem Windows auch bei
Servern für Datenbanken einer ständig zunehmenden
Dominanz von Microsoft ausgesetzt seien.

Quelle.dpa