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Lange erwartet, Ende Januar soll es soweit sein:
Microsoft betritt den deutschen CRM-Markt mit einer lokalisierten
Version. Die in Amerika seit einem Jahr auf dem Markt befindliche
Version 1.0 hat eher gemischte Kritiken erhalten – Grund genug
für den größten Softwarekonzern der Welt
nachzubessern und in Deutschland mit der Version 1.2 zu starten.
“Die Basis ist gelegt, in den folgenden Releases werden die
Funktionalitäten ausgebaut und auch die ein oder andere
vertikale Lösung wird dazukommen”, ist sich Frank
Naujoks, Berater bei Naujoks & Collegen, dem deutschen Zweig
des Analystenhauses Hewson Group, sicher.

Nach eigenen Angaben nutzen bereits 1.000 Unternehmen die
Lösung aus Redmond -mit durchschnittlich 20 Anwendern. Rund 40
Unternehmen haben mehr als 200 Lizenzen gekauft. Genau in diesem
Bereich liegt der Schwerpunkt der Microsoft-Aktivitäten –
zumindest ab 2005. “Den Einstieg bilden die Lösungen
für Kleinstunternehmen, aber das Ziel sind Unternehmen mit bis
zu 1.000 Mitarbeitern”, sagt Naujoks. “Denn in diesem
Markt ist noch Luft – die klassischen ERP-Hersteller wie SAP haben
noch nicht jedem Unternehmen die hauseigene Lösung andienen
können.”

Marktführer Siebel startet 2004 mit dem On-Demand-Angebot.
Besonders gelungen ist die Integration zu Outlook. Das lästige
Pflegen zweier Kalender scheint ein Ende zu haben – eigentlich eine
banale Anforderung, aber schwer umzusetzen. Auch mit den
Lizenzerlösen scheint es langsam wieder aufwärts zu
gehen. Zwar liegen die Einnahmen des vierten Quartals 2003 unter
denen des Vorjahres aber immerhin über den
Analystenschätzungen. Rund 200 Kunden setzen in Deutschland
auf Siebel, mit den speziell für kleinere Unternehmen
interessanten Miet-Angeboten sollten es dieses Jahr ein paar mehr
werden.

Peoplesoft hat die Konsolidierung und Zusammenführung der
J.D. Edwards Produkte anscheinend weitgehend abgeschlossen und auch
die interne Organisation wurde angepasst, beispielsweise mit einer
neuen Marketingleitung in Deutschland und reduzierter Mannschaft –
die Synergiepotenziale müssen ja irgendwo herkommen und ein
Abbau von weltweit wenigstens 1.000 Arbeitsplätzen – oder 15
Prozent – ist kurz nach der Fusion angekündigt worden.

Noch viel deutlichere Einschnitte gab es beim Schweizer
CRM-Anbieter Team Brendel. Nachdem schon im Sommer die deutsche
Niederlassung ausgedünnt worden ist, hat es zum Jahreswechsel
wohl weitere acht Mitarbeiter erwischt – pikanterweise auch den
Vorstandschef. Ihm ist angeblich eine nicht fristgerechte
Entwicklung zum Verhängnis geworden. Zumindest offiziell, denn
diese Erklärung hört sich nach einem Bauernopfer an. Zwar
waren vermeintlich 1,5 Millionen Euro vorgesehen, um das Produkt
weiterzuentwickeln, aber die Umsetzung hat wohl nicht ganz so
funktioniert wie erhofft. Angeblich nur ein Entwickler sollte das
Projekt stemmen und das Entwicklungsbudget musste dem Vernehmen
nach zum Bezahlen längst fälliger Rechnungen herhalten.
Aber dafür ist frisches Geld aufgetaucht, doch es bleibt die
Frage nach den langfristigen Erwartungen – genauso wie nach der
wirtschaftlichen Zukunft des Schweizer Anbieters.

Viel Aufregung in den letzten Monaten gab es auch um den
kanadischen CRM-Anbieter Pivotal. Insgesamt drei Unternehmen
sorgten für eine kleine Bieterschlacht und entsprechend Unruhe
bei Belegschaft und Kunden. Gewonnen hat am Ende der chinesische
Software-Anbieter CDC Software, eine Tochter von chinadotcom.

“CDC Software hat in den letzten Monaten sein
Lösungsportfolio durch strategische Beteiligungen und
Übernahmen ausgeweitet”, so Naujoks. CDC Software strebt
beispielsweise die Mehrheitsbeteiligung an Ross Systems, einem
Anbieter von ERP-Lösungen mit Hauptsitz in Atlanta an. Ferner
wurde der Supply Chain Management Anbieter, Industri-Matematik
International Corp. („IMI“) akquiriert. CIP Global AS – ein
dänisches Software-Unternehmen, spezialisiert auf BI und
Finanzoptimierungslösungen wurde ebenfalls übernommen.
CDC Software Corporation hat keine eigene Geschäftseinheit im
deutschsprachigen Raum, so dass erst einmal keine direkten
Auswirkungen zu erwarten sind. “Allerdings verfügt die
Mutter chinadotcom über ein CRM-Produkt – spannend wird die
Frage, wie und ob sich die Produkte miteinander verbinden
lassen”, gibt Naujoks zu bedenken.

Weitere Informationen unter www.hewson.de oder www.naujoks-collegen.de.