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02.05.2001 – Quelle: Handelsblatt – bue
DÜSSELDORF – Die Autoplattform Covisint, eines der
größten Internetprojekte der Welt, das Joint Venture von
Daimler-Chrysler, General Motors und Ford, will noch in diesem Jahr
an die Börse gehen. VW und BMW bauen ihre eigenen
Internetmarktplätze konsequent weiter aus. Die
Automobilzulieferer Bosch, Continental INA Wälzlager
Schäffler haben im Februar die Handelsplattform „Supply
on“ erfolgreich ins Netz gebracht und die Reifenhersteller
Goodyear, Michelin, Pirelli und Sumitomo wollen noch im April ihr
Einkaufsnetzwerk „Rubber-Network“ starten.

Im vergangenen Jahr setzte die Automobilindustrie in Deutschland
431 Mrd. DM um und war damit erneut die umsatzstärkste
Industriebranche. Elektronische Handelsplattformen entwickeln sich
dabei für die Fahrzeugproduzenten zunehmend zu einem wichtigen
Instrument zur Kosteneinsparung. Unter dem Titel „E-Business
Strategien in der Automobilindustrie – Eine Branche auf dem Weg in
die New Economy“ veranstaltet das Handelsblatt am heutigen Dienstag
und am kommenden Mittwoch in Mainz eine Fachtagung. Experten von
Daimler-Chrysler, BMW, General Motors, Fiat, Bosch und Pixelpark
geben Auskunft über die Entwicklung und Bedeutung von
B2B-Marktplätzen in der Automobilzulieferindustrie und
erläutern B2C-Strategien im Bereich Internet-Vertrieb,
Kundenbindung und Customer Relationship Management (CRM).

Durch die Autoplattform Covisint können Daimler-Chrysler,
General Motors und Ford bei Fahrzeugkomponenten wie Batterien,
Starter, Computerchips, Zündkerzen, Reifen und Kabel
durchschnittlich 14 % einsparen. Durch weitere Preisabschläge
der Zulieferer erwarten die Automobilhersteller in Zukunft
Sparpotenziale von bis zu 1 000 Dollar pro Fahrzeug. Bei 10
Millionen Fahrzeugen ergeben sich so Sparpotenziale von 10 Mrd.
Dollar.

Spätestens seit der vergangenen Woche scheinen auch die
organisatorischen Probleme bei Covisint gelöst zu sein. Der
Manager Kevin W. English wurde nach monatelanger Suche am Freitag
zum Chef der Automobil-Handelsplattform ernannt. Branchenexperten
hatten in den Verzögerungen die schwer einzuschätzenden
Anforderungen der Aufgabe in Verbindung mit der anhaltenden Flaute
der Internet-Branche in den vergangenen Monaten gesehen.“Dies ist
erst der Anfang eines Unternehmens, das sehr groß und hoch
profitabel sein wird“, sagte English vor Journalisten in Detroit.
Über die B2B-Plattform soll mittelfristig ein
Transaktionsvolumen von 300 Mill. Dollar pro Jahr laufen, teilte
Covisint mit.

Der Automobilbauer BMW hat im B2C-Bereich ehrgeizige Ziele. Ab
Juli sollen alle Händler innerhalb von 24 Stunden für den
vom Kunden am heimischen PC zusammen gestellten Wagen Angebote via
Internet verschicken können. Opel will bis spätestens
Ende Juli die gesamte Modellpalette von Agila bis Omega zum Verkauf
ins Internet stellen. Die Fahrzeuge der General Motors-Tochter
sollen zu einem Sonderpreis angeboten werden und ohne die sonst
üblichen Lieferzeiten binnen weniger Tage über die
örtlichen Händler ausgeliefert werden. General Motors
rüstet derzeit seine Fabriken in den USA mit Web-Cams aus. Die
per E-Mail benachrichtigten Neuwagenkäufer sollen in Zukunft
alle Etappen der Fertigung ihres Autos im Internet beobachten
können. Auch Fiat und die Daimler-Tochter Smart bieten ihre
Fahrzeuge im Internet an.