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Der Markt für IT-Projekte wird das Jahr 2011 mit einem deutlichen Plus abschließen. 2012 verlangsamt sich das Wachstum.

Die aktuelle Schuldenkrise und die daraus resultierenden Unsicherheiten auf den Finanzmärkten werden sich auch auf das Projektgeschäft der IT-Dienstleister auswirken. „Für 2012 rechnen wir aufgrund der allgemein ungünstigeren wirtschaftlichen Prognosen sowie unserer Gespräche mit den IT-Dienstleistern mit einem deutlichen Rückgang im Projektgeschäft, wobei die IT-Projekte, die 2011 initiiert wurden, in der Regel mittel- bis längerfristige Vorhaben sind“, so Stefanie Naujoks, Analystin beim Marktforschungshaus Pierre Audoin Consultants (PAC). Die Geschäfte werden sich in den einzelnen Branchen recht unterschiedlich entwickeln:

  • Automobilindustrie: Das IT-Projektgeschäft in diesem Segment wird nach PAC-Einschätzung im Jahr 2011 um 8 Prozent wachsen. Damit zeigt sich die Branche noch weitgehend resistent gegenüber der Krise auf den Finanzmärkten. Wichtige Themen vor allem bei den OEMs sind Customer Relationship Management (CRM), das „After-Sales“-Geschäft sowie CarIT und Optimierungen rund um die Produktentwicklung. Für Automobilzulieferer sieht Naujoks zudem mittel- bis langfristig Nachholbedarf, was die Konsolidierung und Harmonisierung von ERP-Systemen angeht.
  • Maschinen- und Anlagenbau: Auch diese Branche zeigt sich angesichts der aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten relativ stabil. Allerdings erwartet PAC ein verlangsamtes Wachstum. Das wird jedoch nicht so deutlich ausfallen, wie es angesichts der aktuellen Schulden- und Eurokrise zu erwarten wäre. Die Auftragslage für 2011 wird insgesamt als gut beschrieben. PAC geht daher für das IT-Projektgeschäft im stark mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbau von einem deutlichen Umsatzzuwachs 2011 in Höhe von 6,2 Prozent aus. PAC-Analystin Stefanie Naujoks sieht insbesondere noch einen großen Nachholbedarf an IT-Projekten, der aufgrund der letzten Krise immer noch nicht vollständig gedeckt ist. Zentrale IT-Projekte im Mittelstand haben zum Ziel, Produktionsprozesse zu optimieren und die Steuerbarkeit der Unternehmen durch vereinheitlichte Systeme und Prozesse zu erhöhen. Langfristig, das heißt ab 2015, rechnet PAC für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau sogar mit einem höheren Wachstum im IT-Projektgeschäft als in der Automobilindustrie.
  • Elektronikindustrie. Die Erwartungen der Branche in Bezug auf die Entwicklung des Geschäftsklimas sind laut dem Branchenverband ZVEI für das kommende Jahr erstmals seit Juli 2009 wieder leicht negativ. Da die Produktion in der Elektrobranche weltweit stark vernetzt ist, ist sie grundsätzlich anfälliger für globale Risiken jeglicher Art, nicht nur was die aktuelle Euro- oder Schuldenkrise angeht. Zu den eher krisenresistenten IT-Themen zählen die Optimierung des globalen „Supply Chain Networks“ aber auch Business-Intelligence-Systeme zum besseren Erkennen und Steuern von Risiken in der globalen Supply Chain. Für das IT-Projektgeschäft geht PAC für 2011 noch von einem Wachstum in Höhe von 6 Prozent aus, das aber 2012 und 2013 deutlich zurückgehen wird. Ab 2014 erwarten die Analysten wieder ein Umsatzwachstum, allerdings moderater als im Automobil- sowie Maschinen- und Anlagenbau, da dort der Nachholbedarf an IT-Projekten insgesamt höher ist.
  • Chemie- und Pharmaindustrie: Die Unternehmen der Chemieindustrie sind laut dem Branchenverband VCI zunehmend skeptisch, was die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten angeht. Dies wird sich auch entsprechend negativ auf das IT-Projektgeschäft auswirken. Grundsätzlich geht PAC aber davon aus, dass insbesondere in der deutschen Chemieindustrie ein großes Potenzial vorhanden ist, den Anteil an externen IT-Ressourcen in Projekten zu erhöhen. Für die Pharmaindustrie erwartet die PAC-Analystin Stefanie Naujoks mittel- bis langfristig sogar die höchsten Wachstumsraten im Vergleich zu den anderen Fertigungsbranchen, allerdings von einer kleineren Basis kommend. Wachstumstreiber für das IT-Projektgeschäft sind in der Pharmaindustrie vor allem die anhaltenden Firmenübernahmen, die ERP-Konsolidierungsprojekte nach sich ziehen, aber auch Themen rund um CRM, Social Media und Web 2.0 aufgrund der sich stark ändernden Markt- und Wettbewerbsbedingungen für Pharmafirmen in Deutschland.

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